Assassin’s Creed Odyssey – PS4

Man sagt immer, dass Fortsetzungen von schon guten Spielen immer in einer Katastrophe enden. Mal sind es die Regisseure, auch mal die Schauspieler und oft auch die Geschichtsschreiber und so sind wir nun beim mittlerweile elften Teil der Assassin’s Creed-Saga angekommen. Mal verschlägt es uns in die Renaissance, dann wieder in das Ägypten ca. 332 v. Chr. und dann -Stand aktuell – in das von Griechenland während der Peloponnesischer Kriege. Wir durften dank Ubisoft – noch einmal vielen, herzlichen Dank – an diesem Krieg teilnehmen und erzählen euch in diesem Review, wie wir den Ausflug in ein Land vor unserer Zeit fanden.

 

300 Spartaner gegen ein Imperium

Assassin’s Creed Odyssey beginnt dort, wo der Film 300 einen Einschnitt in die spartanische Geschichte macht. Die Spartaner rund um Leonidas sind mitten in der Schlacht gegen die Perser, einem Getümmel wie auf einem Jahrmarkt. Diese Schlacht ist wahrlich in Szene gesetzt und gekonnt inszeniert, da wir uns als Kriegsherr über das Schlachtfeld bewegen und hier und dort einen Perser niederstrecken. Irgendwann wird der gegnerische Kriegsherr offenbart und wir können zum finalen Schlag ausholen – plötzlich ein Cut und wir befinden uns in der Neuzeit mit einem bekannten Gesicht. Layla Hassan, die auch schon die Geheimnisse rund um Bayek in Assassin’s Creed Origin die Protagonistin der Neuzeit spielte, gräbt die Speerspitze Leonidas´aus und möchte nun diesem Geheimnis auf den Grund gehen. Also zurück im Animus werden wir wieder in die Vergangenheit versetzt und können plötzlich aus zwei spielbaren Charakteren auswählen – Alexios oder Kassandra.

Geschwister, wie sich später herausstellt und auch das erste Assassin’s Creed, in welchem man eine männliche oder auch weibliche Spielfigur steuern kann. Die Wahl des Charakters ist jedoch nur von oberflächlicher Natur, denn bis auf ein paar Dialoge und natürlich das Aussehen bleibt die Geschichte von Assassin’s Creed Odyssey gleich. Wir starten das Spiel auf der Insel Kefalonia und verweilen dort auch bis wir die erste Questreihe abgeschlossen haben. Die Insel dient also als Tutorial, um euch mit den Neuerungen und auch der Steuerungen von Assassin’s Creed vertraut zu machen. Seit Syndicate hat sich nämlich einiges unter dem Gerüst getan. Am Ende des ca. ein bis eineinhalb stündigen Tutorials dürfen wir mit einem Schiff und einer Mannschaft die Insel verlassen und sind fortan auf der Suche nach dem spartanischen Feldherren „Wolf von Sparta“.

 

Auf dem belagerten Festland Böotien angekommen, sind wir dem direkten Konflikt zwischen Athenern und Spartanern ausgesetzt. Nun heißt es, das eine Lager infiltrieren und das andere zerstören, damit man dem Ziel, dem Wolf von Sparta, näher kommt. Die Geschichte ist gespickt von Hoffnung, Emotionen, Erkenntnissen und in einem allseits präsenten Krieg finden wir uns in der Suche nach der Wahrheit wieder. Mehr sei an dieser Stelle nicht gesagt, außer, dass die Storyline den Spieler zu unterhalten weiß und auch an die Konsole binden kann. Und an dieser Stelle können wir auch sagen, warum sich Ubisoft den Beinamen „Odysseey“ hat einfallen lassen. Auf der Suche nach der Wahrheit und der Aufklärung der Vergangenheit erkunden wir so eine offene Spielwelt und stapfen von einem Konflikt in den Nächsten.

 

Let´s talk about …

Eine der weitreichendsten Änderungen im Gameplay dürften die Dialoge und Entscheidungen sein. In den Dialogen können wir nun mitunter zwischen unterschiedlichen Optionen auswählen und so den Werdegang der Storyline entscheiden. Relevante Optionen sind gelblich golden hinterlegt, während weißliche lediglich zur Information dienen. Auch können wir mitunter schon entscheiden, ob wir einen harschen oder einen friedvollen Ton an den Tag legen. Alle diese Entscheidungen legen Grundsteine für Gespräche und deren Ausgänge in der Zukunft. Ein Beispiel hierfür, wie gut dieses System funktioniert, ist dass eine Gruppe Menschen Vorräte von den Spartanern gestohlen haben und sich in einer nahe gelegenen Höhle verstecken. Aus dem Gespräch kann man nun 2 Situationen entwickeln:

  1. Der Gruppe den Diebstahl entschuldigen und sie ziehen lassen und ihnen klar machen, dass der Tod keine Option ist
  2. Die Gruppe für den Diebstahl anklagen und einen Kampf starten, der mit dem Tod endet

Je nachdem wie ihr euch entscheidet hat dies dann natürlich auch Auswirkungen beim Auftraggeber. Entweder tadelt er euch für euer verhalten die Schuldigen dem Erdboden gleich zu machen oder aber er belohnt euch mit einem weitern Auftrag den Widersacher aufzuspüren und ein für alle Mal zum Hades zu schicken. Und ein kleines Highlight, wenn auch nun hier etwas unpassend plaziert sind Beziehungen zwischen NPC und Spieler. Wir können mit Mann und Frau Liebesbeziehungen eingehen, die jedoch keinerlei wirkliche Handhabe für die Storyline haben.

Ein weiterer Meilenstein für Ubisoft ist die wahrlich interaktive Welt von Assassin’s Creed Odyssey. Wenn wir durch die Landschaft streifen hören wir aus der Ferne schon ein Wimmern oder ein Angriffsgeschrei. Wir können den Gesprächen der Menschen lauschen oder uns einfach einmal einen Moment in eine Metropole stellen [dies solltet ihr jedoch mit einem niedrigen Kopfgeld-Rang machen] . Es ist wahrlich faszinieren, wie man in die Welt von Odysseey hinein gezogen wird. Auch wenn es hier und dort mal nur Wortfetzen sind, die man beim vorbei reiten aufschnappt, so ist es an keiner Stelle jemals langweilig geworden und die Atmosphäre ist einfach gigantisch. Man fühlt sich richtig in die Epoche hinein versetzt und wird regelrecht darin gefesselt. Auch beeindruckend sind die Seemanöver und auch die Zeit auf dem Schiff, wenn wir länger unterwegs sind, dann singt die Crew oder wir werden in Gespräche verwickelt. Die Seekriege sind pompös und lautstark., wenn ein Pfeilhagel zum letzten Schlag ausholt und das gegnerische Schiff zerstört. Aber auch das Entern oder Zerstören

Apropos interaktive Welt – wenn wir auf Weltenbummeln sind, dann haben wir immer irgendwo eine Mission im Gepäck. Diese kann Story-relevant sein oder aber als Nebenmission von einem der örtlichen Infobretter geholt worden sein oder aber ihr erhaltet sie aus einem Gespräch mit einem NPC heraus. Auch nett ist, dass es zeit basierende Aufgaben im Spiel gibt. Diese sind dann oftmals mit einem 24h oder 72h Zeitfenster behaftet. Sofern dieses Prinzip wie in anderen Spielen umgesetzt ist, so wechseln diese Missionen nach Ablauf der Frist, sodass man hier auf viel Abwechslung hoffen darf. Natürlich winkt hier dann auch eine bessere Belohnung, was dann aber auch mit dem Aufwand oder aber der Schwierigkeit in Koexistenz einher geht.

 

Was haben wir denn hier?

Wenn wir uns den mittlerweile 11. Teil ansehen und ihn mit Teil 1 oder auch Black Flag vergleichen, dann sind es doch viele Dinge, die sich seither geändert haben. Wer die Reihe bis dato mitverfolgt hat, der weiß, dass die Serie seit Origin einen großen Wandel vollzogen hat. Wer Origin mochte und seine Stunden darin verbracht hat, der wird auch Odysseey mögen. Aber wir zählen euch an dieser Stelle ein paar Punkte auf, die von Ubisoft geändert und nun auch strickt weiter entwickelt werden.

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https://www.youtube.com/watch?v=CGQBYhx1soE

Wer kennt es noch? Ezio musste damals, ähnlich wie auch Altair oder Edward, nach Griffpunkten suchen, um eine Wand zu erklimmen. Auch Origin hatte noch mit diesem Manko zu kämpfen. In Odysseey wird diese Hürde nun genommen und wir können sämtliche Konstruktionen – seien es Wände, Geräte, Tore, Türme – erklimmen. Dazu sind keinerlei vordefinierte Punkte mehr nötig und so erklimmt Alexios eine Wand in Windeseile.

Die Kämpfe sind herausfordernd – jedenfalls die gegen die anderen Söldner und Kopfgeldjäger -, sind dafür aber dynamischer und ausgeglichener als noch in Origin. Schwere Gegner versprechen gehobene Beute und animieren dazu vom „Pfad“ abzukommen. Da sich das Spielprinzip nun mittlerweile zu einem kleinen RPG gemausert hat, stattet die Beute unseren Helden mit gewissen Perks oder Fähigkeiten aus und verbessert unsere Attribute. Auch haben wir 3 Skilltrees [Bogen, Kampf, Verdeckt] zu Verfügung, in welchen wir uns entweder spezialisieren oder aber ein Mischskill erstellen können. Hier sind die Grenzen fast schon offen und auch lassen sich Fehler mit der gewissen Anzahl an Drachmen (die Währung im Spiel neben den Helix-Coins) korrigieren.

Ansonsten bleibt unter der Haube das, was wir von Assassin’s Creed kenne. Eine Storyline, eine offene Spielwelt und, halt Moment, was ist mit den Schleichpassagen passiert? Die sind in neuen Ableger auch noch vorhanden, aber die Wahl liegt nun in unserer Hand. Wenn wir möchten, dann können wir defensiv vorgehen und die Gegner in Wiesen locken oder sie von Oben per Sprung-Angriff attackieren, wenn wir jedoch entdeckt werden, dann ist die Aufgabe nicht gescheitert, sondern wir können direkt in der Offensive weiter machen. Das Endet dann oftmals darin, dass eine Wache rennt und Verstärkung ruft, aber nichts, was ein wahrer(-e) Spartiat(-in) nicht geregelt bekäme. Auch in Sachen KI hat sich bei Ubisoft sehr viel getan, denn es artet nicht nur stupiden Kampfgefechten der selben Art aus, sondern verteildigen sich die Gegner auch, wenn wir zum Beispiel mit einem Bogen auf ihren Kopf zielen – das Schild wandert nach oben. Selbiges, wenn wir auf die Füße zielen. Aber nicht nur im Kampf beweisen sich die Athener, sondern auch in der Verteidigung. Wenn wir beispielsweise entdeckt wurden und an einem Vorsprung hängen, dann wird mit Steinen geworfen oder mit Pfeilen nach uns geschossen. Auch im Arsenal haben die Gegner ein wenig aufgerüstet. Neben Schwertern, Schilden und sonstigen Zweihandwaffen bekommen diese nun auch Gift- / Feuerbomben und -pfeile. Diese verursachen dann einen DOT (Damage over Time) Effekt am Spieler und lassen seine Gesundheit sinken.

 

Die riesige Welt will natürlich auch bereist werden und so erhalten wir schon zwei bekannte Elemente aus früheren Assassin’s Creed Spielen an die Hand. Die Rede ist natürlich vom Pferd und von einem Schiff. Erstes erhalten wir relativ früh am Anfang der Geschichte, sodass wir uns schnell auf der Insel Kefalonia fortbewegen können, während wir das andere durch das voranschreiten in der Kampagne erst einmal freischalten müssen. Sofern dies dann freigeschaltet ist, können wir ein weiteres Feature unser Eigen nennen. Damit ist nicht das Aufrüsten des Schiffes gemeint, welches ebenfalls seit Assassin’s Creed Black Flag möglich ist, sondern das anheuern von Personal. In der Welt könnt ihr verschiedene Personen auf euer Schiff holen, die euch dann wiederum mit Perks ausstatten. Rekrutiert einen guten Bogenschützen und eure gesamte Crew wird dann +2% mehr Pfeilschaden austeilen.

 

Technische Finesse

Neben der Story und dem Gameplay gibt es mittlerweile auch einen dritten Grundpfeiler, der bei Spielern richtig positioniert sein muss. Die Rede ist natürlich vom Aussehen – also dem Look eines Spiels. Und da wir bei Assassin’s Creed Odyssey so vieles haben, was sich zu ansehen lohnt, müssen wir dies natürlich auch in dem Review unter bringen. Bekannt ist, dass Ubisoft immer versucht die Spiele auf einer historisch korrekten Darstellung beruhen zu lassen. Dies scheint ihnen auch bei Assassin’s Creed Odyssey wieder einmal geglückt zu sein. Die Welt ist ein wahr gewordener Traum von Open World. Des öfteren musste man einfach mal den Blick schweifen lassen oder aber auf seinen Adler umschwenken, um das Ambiente auf sich wirken zu lassen. Der Tag- und Nachtzyklus ist auch eines der schöneren Inszenierungen. Wenn wir uns auf die Nacht zubewegen sitzt die Sonne gen Horizont und während wir uns in der Nacht befinden lodern Fackeln oder aber Lagerfeuer abseits der Wege.

Aber wo auch so viel Licht ist, dort gibt es auch Schatten. So hatten wir es in unsere bisher ungepatchten Version, dass wir unzählige Clippingfehler bei den Figuren hatten. So hingen dann Gliedmaßen im Boden oder in anderen Gegenständen. Wir hofften, dass wir hier kein zweites Assassin’s Creed Unity bekommen und so waren diese Fehler lediglich 1. Mal vorgekommen und ließ uns dann aufatmen.

 

Für Sparta - oder Athen
  • 96%
    Gameplay - 96%
  • 85%
    Story - 85%
  • 96%
    Grafik - 96%
  • 98%
    Inhalt - 98%
  • 95%
    Preis / Leistung - 95%
94%

Summary

Seit Origin geht Ubisoft einen Weg, dem nicht jeder Fan der Serie gefallen könnte. Seitdem wird das Spiel kontinuierlich verbessert und alte Features aufgebohrt bzw. neue hinzugefügt. Die Welt sucht seinesgleichen und wartet mit vielerlei Abenteuer auf den Spieler. Sind es Nebenaufgaben oder einfach nur Entdecker-Touren durch das alte Griechenland – hin und wieder steht die Kinnlade offen. Zwar schleichen sich dann noch noch mal ein paar Fehler in das Spiel, aber das ist wahrlich bei diesem Abenteuer zu verzeihen. Man bekommt für sein Geld eine ordentliche Portion Unterhaltung und ein Abenteuer, was euch sicherlich die nächsten Wochen an der Konsole fesseln wird. Grafisch und Akustisch ist Assassin’s Creed Odyssey ein Meisterwerk, Storytechnisch kommt es durch die vielen Nebenaufgaben mal vom Weg ab, kann sich aber durch den Inhalt der Missionen wieder auf den Weg retten.
Ein wahrlich tolles Produkt was Ubisoft hier abliefert. Was ich allerdings nicht so ganz nachvollziehen kann, sind die Helix Credits Items. Zwar schienen diese nur kosmetischer Natur zu sein, aber warum überhaupt Geld dafür verlangen, wenn man diese auch zB in Events verschenken könnte, um so den Spieler wieder aus seinem Versteck zu locken bzw. gegebenenfalls etwas zur Langzeitmotivation beizutragen. So wirkt es fast wie ein Pay2Win, welches abgestraft gehört.

Pros

  • wundervolle Open World
  • Tag Nacht Zyklus
  • Schlachten zwischen verfeindeten Parteien
  • Verbesserung im Klettern
  • wählbarer, spielbarer Charakter
  • herausfordernde Kämpfe
  • ordentlicher Loot
  • Pferd und Schiff nutzbar

Cons

  • Helix Coins (kein Zwang)
  • kleinere Fehler (Clipping, Glitching)

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